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Jahrgang 2021

Der höchste Pilzdruck, den es ja gab.

Ein normaler Winter brachte wieder ausreichend Regen (Nov.-März 243 mm) um entspannt in die Saison zu starten, auch wenn dieser das Wasserdefizit der vergangenen Jahre im Boden noch nicht ausgleichen konnte. Der März blieb dieses Jahr auch noch kühl und sorgte dafür, dass die Reben nicht Mitte April ausgetrieben sind, wie in den vergangenen Jahren, sondern der Austrieb sich sogar bis Anfang Mai hinauszögerte. Somit erfolgte der Austrieb sogar so spät wie schon lange nicht mehr, aber den späten Vegetationsbeginn konnte ja jeder in der Natur beobachten. Damit war dann aber auch zum Glück Spätfrost dieses Jahr mal kein Thema. Der recht kühle Mai bremste die Rebenentwicklung aber weiter deutlich ein, sodass zwischenzeitlich ein Vegetationsrückstand von bis zu zwei Wochen zum langjährigen Mittel vorherrschte. Mit ausreichenden Niederschlägen im Mai im Rücken startete die Vegetation im Juni dann aber vor allem mit der ersten Hitzewelle in der Monatsmitte so richtig durch, wodurch wieder eine Woche Vegetationsrückstand aufgeholt wurde und die Reben um den 22. Juni in der Vollblüte standen. Man konnte in dieser Zeit den Reben von Tag zu Tag deutlich beim Wachsen zusehen, wodurch man auch kaum mit den Heftarbeiten, also dem Einstecken der Reben, hinterherkam. Wahnsinn zu welcher Wuchsleistung Reben in der Lage sind.

Dieses schnelle Wachstum gepaart mit immer wieder auftretendem Niederschlag ging einher mit noch nie da gewesenem Pilzdruck über den ganzen Sommer. Die Terminierung des Pflanzenschutzes, vor allem vor gemeldeten Niederschlägen, war besonders wichtig und war schon mal eine gute Übung für die zukünftigen ökologischen Spritzungen, bei denen es auf noch mehr Präzision ankommt. 2016 ist ja auch noch als feuchter Sommer mit Hochwasser in Erinnerung, aber dort hörte die Regenperiode Anfang Juli auf und dann wurde es sogar noch einmal richtig trocken. In diesem Sommer war es von Mai bis August durchgängig, also wirklich über die haupte Vegetationsperiode feucht mit vielen kleineren Niederschlägen, wobei der Juli mit 103 mm Niederschlag heraussticht. Auch die Temperaturen blieben über den ganzen Sommer, bis auf die eine Hitzeperiode Mitte Juni, moderat ohne weitere Ausschläge nach oben.

Wie nah Glück und Leid auseinander liegen zeigte sich dann mit der Starkregenkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli an der Ahr. Ein paar Tage zuvor meldeten die Prognosen noch, dass das Regengebiet wohl über uns ziehen wird, um dann je näher die Tage kamen sich immer mehr in Richtung Nordwesten zu verschieben und so regnete es bei uns 8 mm, während bei unseren Kollegen an der Ahr im wahrsten Sinne des Wortes eine Welt zusammenbrach. Diese Bilder werden wir wohl so schnell nicht vergessen.

Von Sonnenbrand und Hagel blieben wir dieses Jahr verschont.

Durch die feuchte und kühle Witterung über den Sommer ging es mit bis zu zehn Tagen Vegetationsrückstand zum langjährigen Mittel Richtung Traubenlese. Aufgrund des Stresses durch Feuchtigkeit, ja auch das gibt es, gepaart mit kühleren Temperaturen ab Mitte September reiften die Trauben nur sehr zögerlich. In St. Goar und Niederheimbach waren die Trauben sehr gesund, während in Urbar durch 25 mm Niederschlag am 10. September der Druck durch Fäulnis deutlich zunahm. So zeichnete sich schon zu Beginn der Traubenlese am 22. September mit Müller-Thurgau für Federweißer und Traubensaft eine lange, aber wenn das Wetter mitspielt, auch entspannte Lese ab. Bis zum 30. folgte alles außer Riesling bevor es dann am 3. Oktober mit Riesling los ging. Dieser wurde sehr entspannt bis zum 24. Oktober gelesen, dabei wurde nach und nach die Lesereife der einzelnen Weinberge abgewartet. Dieses Jahr war es somit mal wieder eine Traubenlese wie sie vor fünfzehn Jahren noch normal war, wobei die Reifeunterschiede zwischen den Rebsorten und einzelnen Weinbergen wieder deutlich wurden und nicht wie in warmen und trockenen Jahren innerhalb von zwei Wochen alles reif ist und man mit der Lese nicht hinterherkommt.

Alles in allem haben wir einen durchschnittlichen Jahrgang im Keller. Das hört sich zwar jetzt negativ an, ist es aber keineswegs. Denn durch die nicht zu hohen Öchslegrade und die Reife bei kühler Witterung ergeben sich frische, fruchtige und durch eine etwas prägnantere Säurestruktur lebendigere und vor allem langlebige Weine mit moderatem Alkohol, die viel Trinkspaß bereiten.